Topinambur

Der Name „Topinambur“ lässt an alles Mögliche denken, nur nicht an eine Gemüseknolle. Er soll von dem Namen eines Indianerstammes abgeleitet worden sein, den Topinambus, die in der Gegend der Bucht des heutigen Rio de Janeiro gelebt hatten. Die wiederum sollen die Knolle als Gemüse und Viehfutter genutzt haben. Seeleute brachten die Knolle, die in ganz Mittel- und Südamerika verbreitet war, zu Beginn des 17. Jahrhunderts zuerst nach Frankreich, von wo aus sie sich über ganz Europa verbreitete.

Topinambur
Zwei Topinambur-Knollen
© Steffen Zahn – flickr.com (CC BY 2.0)

Die Topinambur avancierte schnell wegen ihrer das Körpergewicht positiv nach unten regulierenden Eigenschaft zu einem allseits beliebten Nahrungsmittel, wurde jedoch mit der Ankunft der klassischen Kartoffel, die sich als wesentlich ergiebiger erwies, genauso schnell zu Viehfutter degradiert. In Deutschland diente sie nicht einmal mehr dazu. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Topinambur in Müden, einem 6.000-Seelen-Dorf in der Lüneburger Heide, erstmals wieder angebaut. Tatsächlich jedoch hat die Knolle in Europa auch heute nur eine geringe wirtschaftliche Bedeutung.

Äußerst robust und durchsetzungsfähig

Die Topinambur gehört erstaunlicher Weise der Gattung der Sonnenblumen an. Die Pflanze kann eine Höhe von drei bis vier Metern erreichen. Die Blätter sind gestielt und von ovaler Form spitz zulaufend. Sie können bis zu zehn Zentimetern breit und 25 Zentimetern lang werden. Blätter und Stängel sind behaart. Die Topinambur ist eine äußerst robuste Pflanze. Als sogenannter Neophyt verdrängt sie da, wo sie verwildert, durch ihr schnelles Wachstum die einheimische Flora und kann dadurch problematisch werden. Zudem hat sie in unseren Breitengraden kaum tierische Liebhaber, die sie fressen könnten.

Als Nahrungsmittel werden ausschließlich die Knollen genutzt, die in ihrer Form an eine Ingwerwurzel erinnern und die Größe einer Kartoffel erreichen. Im Gegensatz zu den oberirdischen Pflanzenteilen (minus 5 Grad Celsius) können die Knollen strengsten Frost bis minus 30 Grad Celsius überstehen. Die Topinambur wird im gewerblichen Anbau in aller Regel durch die Knollen vermehrt. Der Austrag von Samen hat sich als wenig ertragreich erwiesen. Dazu kommt, dass die Topinambur für mitteleuropäische Verhältnisse zu spät blüht. Immerhin haben Aussaatversuche zu einer gelben Sorte mit feinerem Geschmack geführt.

Viele Sorten

Der leicht erdig-nussige Geschmack und das Aroma der Topinambur entfalten sich erst beim Garen so richtig. Sie erinnern an eine Mischung aus Artischocke und Kohlrabi. Auch Spargelaromen können ausgemacht werden. Knollen mit heller Haut sind regelmäßig intensiver, als dunkelhäutige. Mittlerweile werden verschiedene Sorten gezüchtet, wie die „Bianca“ (die Weiße) als ertragreichste deutsche Sorte, die Gelbe, die als die Beste gilt, die „Rote Zonenkugel“, eine violette Sorte aus Brandenburg oder die französische „Violettes de Rennes“.

Sehr gesund

Die Topinambur-Knolle muss vor dem Verzehr gut abgebürstet werden. Sie kann sowohl roh wie auch gekocht genossen werden. Zum Garen wird sie wie Kartoffeln behandelt, also entweder gedämpft oder gebraten. Die Haut kann mitgegessen werden.

Die Topinambur wird auch als „Diabetikerkartoffel“ bezeichnet: Der Grund liegt darin, dass ihre Knolle bis zu 15 Prozent aus Inulin besteht. Dabei handelt es sich um ein Kohlenhydrat, das der Stärke ähnlich ist. Für Diabetiker ist das Spaltprodukt besonders bekömmlich. Aber auch Menschen, die nicht unter Diabetes leiden und doch gerne ihren Hungergefühlen mit den äußerlich wahrnehmbaren Folgen nachgeben, ist sie sehr interessant. Der Körper empfindet nämlich bei deren Verzehr ein starkes Sättigungsgefühl. Zudem bleibt der Appetit auf Süßigkeiten aus. Inulin sorgt darüber hinaus dafür, dass die Dickdarmflora in einem gesunden Gleichgewicht bleibt, was dem Immunsystem dienlich ist. Neben dem Inulin enthalten 100 Gramm Topinambur-Knolle

  • 3,3 mg Eisen,
  • 15 mg Kalzium,
  • 4 mg Natrium,
  • 2 mg Vitamin A,
  • 5 mg Vitamin C
  • sowie die Vitamine B1 und B2.

Die Topinambur dient außer als Gemüse auch in anderer Form. Sie wird beispielsweise zu Saft gepresst, zu Schnaps gebrannt (Topi, Rossler), zu Süßstoff, zu Mehl oder Kaffee-Ersatz verarbeitet. Als Biomasse werden sowohl das Kraut wie die Knollen genutzt, um Biogas oder Bioethanol zu erhalten.

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